Studie "The Pen Is Mightier Than the Keyboard"

22 Jan 2018 - 13:07 | Version 4 |

Worum geht es?

Die Studie The Pen Is Mightier Than the Keyboard (Biblionetz:t17228) wird oft als Beleg dafür zitiert, dass digitale Medien in der Bildung eher schaden als nützen. Es lohnt sich also, diese Studie genauer anzuschauen.

Bibliographische Angaben und Volltext

Zusammenfassungen

Taking notes on laptops rather than in longhand is increasingly common. Many researchers have suggested that laptop note taking is less effective than longhand note taking for learning. Prior studies have primarily focused on students’ capacity for multitasking and distraction when using laptops. The present research suggests that even when laptops are used solely to take notes, they may still be impairing learning because their use results in shallower processing. In three studies, we found that students who took notes on laptops performed worse on conceptual questions than students who took notes longhand. We show that whereas taking more notes can be beneficial, laptop note takers’ tendency to transcribe lectures verbatim rather than processing information and reframing it in their own words is detrimental to learning.
Von Pam A. Mueller, Daniel M. Oppenheimer im Text The Pen Is Mightier Than the Keyboard (2014)

In drei Studien zeigt sich, dass Studierende mit handschriftlichen Notizen auswendig mehr Konzeptwissen wiedergeben können, als wenn sie die Notizen auf dem Computer erfassen. Zwar wird per Computer mehr Text erfasst als von Hand, aber dafür wörtlicher mitgeschrieben, woraus die Autoren eine geringere Verarbeitung des Gehörten ableiten und damit die schlechteren Ergebnisse aufgrund von Computernotizen erklären.
Von Beat Döbeli Honegger, erfasst im Biblionetz am 30.09.2014

The Pen Is Mightier Than the Keyboard ist der Titel einer Studie, welche viele Befunde zusammenfasst (Mueller/Oppenheimer, 2014): Mueller/Oppenheimer haben untersucht, welchen Einfluss das Schreiben von Notizen auf Testresultate hat. Dabei hat sich herausgestellt, dass Studierende, die in der Versuchsanordnung Laptops verwendet haben, deutlich mehr Wörter aufschreiben und dazu tendieren, Vorlesungen mitzuschreiben. Während die Testresultate im Vergleich mit handschriftlich arbeitenden Studierenden sich in Bezug auf die Wiedergabe von Fakten (also tiefe Taxonomiestufen nach Bloom) kaum unterschieden, entstanden zwischen den beiden Gruppen bei konzeptuellem Wissen größere Differenzen.
Aus diesen Messungen ergab sich eine einfache Vermutung: Handschriftliche Notizen erfordern eine stärkere Verdichtungsleistung, welche mit der Verarbeitung und Speicherung von Gehörtem zu korrelieren scheint. Das gedankenlose Mitschreiben, so die beiden Autoren der Studie, stehe der Lernwirksamkeit der Notizen im Wege (Mueller/Oppenheimer, 2014, S. 8). Auch die Aufforderungen an einen Teil der Laptop-Studierenden, wörtliches Mitschreiben zu vermeiden oder vor der Lernkontrolle die Notizen noch einmal genau zu studieren, zeigten kaum Wirkung. Handschriftliche Notizen führten zu besseren Resultaten.
Von Philippe Wampfler im Buch Digitaler Deutschunterricht (2017) im Text Grundlagen digitaler Arbeit im Deutschunterricht

Zitationsgraph dieser Studie (aus dem Biblionetz)

Aussagen dieser Studie

Diskussion dieser Studie

Angesichts dieser Studie stellen sich verschiedene Fragen auf unterschiedlichen Ebenen. Eine erste Gruppe von Argumenten lässt sich zusammenfassen mit "Das untersuchte Unterrichtssetting ist angesichts der Möglichkeiten digitaler Medien didaktisch nicht mehr sinnvoll:

  • Sind Vorlesungen (Frontalunterricht) heute noch sinnvoll?
    Argument ausführen...
  • Wäre die Abgabe eines Skripts oder der Vorlesungsfolien sinnvoll?
    Im untersuchten Setting wurden den Studierenden weder ein Skript noch die Vorlesungfolien abgegeben. Würden Studierende über diese Unterlagen verfügen, würde dies das didaktische Setting verändern - und evtl. auch das Bedürfnis praktisch wörtlicher Mitschriften verringern.
  • Notizen durften an der Prüfung nicht benutzt werden.
    In der heutigen Zeit müssen reale Probleme äusserst selten ohne jegliche Hilfsmittel / ohne Internet gelöst werden. Es stellt sich somit die Frage, ob Prüfungssituationen ohne jegliche Hilfsmittel noch zeitgemäss sind. Zudem stellt sich die Frage, ob die Motivation zum Überarbeiten der Vorlesungsnotizen grösser wäre, wenn diese in der Prüfung genutzt werden dürften.
  • ...

Eine zweite Gruppe von Argumenten lässt sich zusammenfassen mit "Die Potenziale digitaler Medien werden nicht genutzt":

  • Ist der Live-Konsum von Vorlesungen heute noch sinnvoll?
    Heute ist es technisch problemlos möglich, Vorlesungen aufzuzeichnen (Biblionetz:w02965). Dies ermöglicht es Studierenden, die Vorlesungen zu einem frei gewählten Zeitpunkt an einem frei gewählten Ort in einer frei gewählten Geschwindigkeit und mit beliebigen Wiederholungen anzuhören.
    (In der Studie wurden die Vorlesungen zwar als Videoaufzeichnungen präsentiert, aber die Studierenden konnten das Video weder steuern noch annotieren.)
  • Notebooks werden als reine Schreibmaschinen genutzt:
    Die Notebooks werden als digitale Blöcke verwendet, es findet weder eine Verarbeitung, Neustrukturierung noch eine Vernetzung statt.
  • ...

Die dritte Gruppe von Argumenten lässt sich zusammenfassen mit "Die Studierenden sind ausgebildet / gewöhnt, die Potenziale digitaler Medien zu nutzen.

  • Studierenden fehlen die notwendigen digitalen Kompetenzen.
    Die Studierenden haben nie gelernt, wie man effektiv und effizient digitale Medien in einer Vorlesung nutzen sollte.
  • Studierende sind handschriftlich sozialisiert:
    Die Chance ist sehr gross, dass die beteiligten Studierenden während ihrer Schul-/Studienzeit mehrheitlich nur mit Papier und Bleistift, nicht aber mit Computern gearbeitet haben. Somit sind sie handschriftlich sozialisiert und haben zu wenig Erfahrung im Umgang mit digitalen Medien zum Arbeiten und Lernen.

-- BeatDoebeli - 05 Jan 2018

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