Einsamkeits-Argument

15 Dec 2015 - 17:20 | Version 7 |

Prototypische Formulierung

ICT führt zur Vereinsamung von Schülerinnen und Schülern.

Beispiele

Mädchen im Alter von acht bis zwölf Jahren sind sieben Stunden täglich online, haben aber nur zwei Stunden täglich reale soziale Kontakte, wie eine im März 2012 publizierte Studie an etwa 3 500 jungen Amerikanerinnen ergab.

Quelle: Manfred Spitzer im Journal-Artikel Digitale Demenz (Biblionetz:t14154)

Verwandte Argumente

Gegenargumente

Willkommen in der 80er-Jahre-Diskussion: Ein Junge hackt nur noch wie besessen in die Tasten. Er kann nicht mehr richtig sprechen und ist wunderlich. Ihm wachsen Spinnweben unter den Armen und er hat keine Freunde. Völliger Unsinn. Kein Zweifel, diesen Jungen mag es ja geben. Aber der ist ein tragischer Einzelfall. Die Realität sieht doch ganz anders aus. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder und Jugendliche meistens zu zweit und zu dritt vor der Kiste sitzen. Es kommt erstaunlicherweise zu keinem Streit. Sie beraten sich, wechseln ab und bevorzugen sogar Spiele, bei denen sie mitoder gegeneinander antreten können.

Quelle: Thomas Feibel im Buch Was macht der Computer mit dem Kind? (2002, Biblionetz:b02298) im Text Computer-Kids wollen Eltern

Bereits die Untersuchung „Lernen mit Laptops“ aus dem Jahre 2002, von Schaumburg und Issing, hat gezeigt, dass der Einsatz von Laptops im Klassenzimmer kooperatives Lernen fördert (Schaumburg & Issing, 2002). Schrackmann et al, verzeichnen zu dieser Thematik folgendes:

„Entgegen der oft geäusserten Befürchtung, dass Computer und Internet zur Vereinsamung führten, kann festgestellt werden, dass der Umgang mit dem Internet überwiegend die Kommunikation und Kooperation mit anderen Menschen fördert .“ (Schrackmann, Mitzlaff, & Knüsel, 2008)

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Untersuchungen zur These der Vereinsamung aufgrund des Einsatzes von neuen Medien im Unterricht gemacht. Die Resultate wiederlegten diese Ansicht eindeutig. Dazu Schulz-Zander:

„Verschiedene empirische Befunde zeigen, dass Schülerinnen und Schüler tatsächlich stärker eigenaktiv sind und häufiger kooperativ und – wenn auch im geringeren Ausmasse – selbstreguliert lernen, wenn digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden. Lehrpersonen treten in den Hintergrund, vermitteln weniger Wissen, sondern unterstützen und beraten mehr individuell … Kooperationen werden als ein prägnantes Merkmal des Unterrichts mit digitalen Medien identifiziert. Lehrpersonen haben häufiger eine Zusammenarbeit zwischen den Schülerinnen und Schülern beobachtet und dies als einen wichtigen Effekt des Arbeitens mit digitalen Medien herausgestellt. Kooperationen finden nicht nur klassenintern, sondern auch klassenübergreifend schulintern und schulextern mit ausserschulischen Partnern statt. Die E-Mail-Kommunikation und die Veröffentlichung von Ergebnissen im Web spielen eine wesentliche Rolle bei der Kooperation mit externen Partnern, die ohne IKT nicht zustande gekommen wären.“ (Schulz-Zander, 2005, 126)

Die oben aufgezeigten Ausführungen können auch teilweise das Argument "Ablenkung statt Lernen"-Argument entkräften.

editiert durch: N. Wyss & A. Keller am 10.10.13

Quellen

  • Biblionetz:f00090 Macht das Internet einsam?
  • Biblionetz:t14154 Manfred Spitzer: Digitale Demenz (Journal-Artikel)
  • Schaumburg, H., & Issing, L. J. (2002). Lernen mit Laptops: Ergebnisse einer Evaluationsstudie. Gütersloh: Verl. Bertelsmann Stiftung.
  • Schrackmann, I., Mitzlaff, H., & Knüsel, D. (2008). Computer und Internet in der Primarschule: Theorie und Praxis von ICT im Unterricht mit 20 Praxisbeispielen auf zwei DVDs. Oberentfelden: Sauerländer.
  • Schulz-Zander, R. (2005). Veränderung der Lernkultur mit digitalen Medien im Unterricht. In H. Kleber (Hrsg.), Perspektiven der Medienpädagogik in Wissenschaft und Bildungspraxis. München: kopaed

Diskussion

 

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